Ecuador Teil 1

Von Tulpan bis Riobamba  (10.12 bis 24.12.2011, 474km, Total: 7169km)

Von Ipiales nach Tulpan in Ecuador sind es nur 12 km. Es geht, wie immer in Kolumbien, nochmals steil abwärts. Vor dem Grenzübertritt krame ich die letzten Pesos zusammen und es reicht gerade noch für einen Frühstückskaffee. Wie vielerorts an staatlichen Stellen in Lateinamerika,  muss ich mich an eine lange Warteschlange einreihen um den Austrittsstempel zu erhalten. Es hat zwar 4 Schalter aber nur einer ist besetzt. Und das am morgens um 10! Ich bin nicht der einzige der sich aufregt. Endlich bin ich an der Reihe und muss Fingerabdrücke abgeben, dazu werden noch alle Seiten des Passes kopiert. Die Kopiermaschine streikt bei den plastifizierten Seiten des neuen Passes und bis dieses Problem behoben ist... es dauert und dauert... Und das beim VERLASSEN eines Landes. Die  Frau am Schalter hat die Ruhe weg, das muss man sagen. Immerhin feilt sie nicht zwischendurch noch an ihren  Fingernägeln rum. Eine Unmenge von Geldwechslern hauen mich danach an,  Dollars zu kaufen aber sie machen diesmal kein Geschäft, habe ich doch den letzten Peso in den Kaffee investiert. Tip top aufgegangen, kann man da nur sagen.  
Das Prozedere auf der anderen Seite der Schlucht, am ecuadorianischen Zoll, ist deutlich kürzer und weniger aufwendig. So sollte es doch sein, sage ich mir.
Zur Begrüssung darf ich die ersten 2-3 Kilometer das Velo die Strasse hochschieben. Ein ecuadorianischer Lastwagenchauffeur hat mir mal gesagt, dass die Strassen hier weniger steil seien als in Kolumbien. Wer’s glaubt.
Wie Ipiales, liegt auch deren Nachbarstadt Tulcan auf einer Hochebene, doch sind deren Einwohner grösstenteils Ureinwohner, also Nachkommen der Inkas. Die Kälte hier gibt mir schon zu denken. Ich bin zwar auf etwa 2500m.ü.M und praktisch auf dem Äquator aber die Temperatur ist nur so zwischen 10 und 15 Grad Celsius.

Vor ungefähr 10 Jahren hat man in Ecuador den Dollar als Währung einfeführt. Ich nehme an, um der massiven Teuerung Herr zu werden. Trotz der grossen Ölvorkommen und deren Export habe ich nicht den Eindruck, dass das Land wirtschaftlich besser dasteht als Kolumbien. Die meisten Ecuadorianer bekommen von den Erdöleinnahmen nichts zu sehen und verdienen nur ein paar Dollars pro Tag. Die Reichen und Mächtigen sahnen ab und für die Mehrheit bleiben nicht mal Brosamen.

Die Panamericana ist allerdings in einem guten Zustand und auf dem Pannenstreifen fährt es sich recht sicher mit dem Fahrrad.

Die Stadt Ibarra besuche ich nicht und fahre stattdessen gleich weiter nach Otavalo. Ein sehr schöner Ort mit einem interessanten Indiomarkt auf dem Platz im Zentrum. Kleinbauern, Handwerker und Frauen die typische Kleider der Region herstellen, bringen hier ihre Produkte an den Mann bzw. die Frau. Die gut 100km nach Quito würge ich an einem Tag hin. Selbstverständlich ist die Strecke auch hier gespickt mit happigen Steigungen. Die Hauptstadt Ecuadors liegt auf ca. 2800m ü.M. Am Abend erreiche ich bei strömendem Regen das historische Zentrum. Längst ist es dunkel als ich endlich ein mir passendes Hotel finde. Quito liegt in einem Tal von etwa 40km Länge und zwischen 3-5km Breite. Das Klima ist angenehm, wenn es nicht gerade schüttet wie in diesen Tagen. Die koloniale Altstadt ist sehr gut erhalten und wurde bereits in den 70er-Jahren, als eines der ersten Städte überhaupt, von der Unesco in die Liste der Weltkulturerben aufgenommen. Ein kolonialer Prunkbau reiht sich an den anderen. Der ganze Reichtum der ehemaligen Oberschicht Ecuadors spiegelt sich hier im alten Zentrum Quitos. Das Geschäfts- und Bankenquartier sowie auch das Vergnügungsviertel "La Mariscal" sind im Norden der Stadt. Ab ca. 10 Uhr abends ist es gespenstig ruhig in der Alststadt. Es habe hier  böse Buben die nachts ihr Unwesen treiben würden, warnt mich der Receptionist im Hotel.

Die Wolken versperren auf dem weiteren Weg durch die grandiose Landschaft den Blick auf die Berge und Vulkane.  Stattdessen schiebe ich mühsam mein Velo die Pässe hoch und hoffe, irgendwann würde sich das Wetter dann doch noch bessern. Nach Latacunga erwische ich dann tatsächlich einen sonnigeren Tag. Es zeigt sich der Tungurahua, aus dessen Gipfelkrater eine Rauchfahne steigt, und der über 6000 Meter hohe, gletscherbedeckte Chimborazo. Immerhin etwas, sage ich mir. Für irgendwelche Ausflüge in die höhere Lagen oder gar eine Gipfelwanderung auf einen der Vulkane ist jedoch die Wetterlage zu schlecht. Das kann ich mir abschminken. 

Das Ziel des Tages wäre eigentlich die Stadt Riobamba gewesen aber ich übernachte etwa 20km nördlich, gleich am Fusse des Chimborazo, in einer Hosteria, so eine Art noblen Landgasthof. Die Kälte, Regen und die einbrechende Dunkelheit lassen mich schwach werden und für einmal leiste ich mir eine Luxussuite. Man gönnt sich ja sonst nichts... Der Kellner und ein weiterer Angestellter führen sich in ihren Uniformen vornehm auf wie in einem 5-Stern-Hotel was absolut gar nicht passt. So gut ist die Hosteria nun auch wieder nicht. Die Receptionistin ist jedoch sehr nett und ohne diese, wie soll ich sagen, "Nobel-Allüren".

Am nächsten Tag, dem 24. Dezember, erreiche ich Riobamba. Von der umliegenden Bergwelt ist inzwischen wieder nichts mehr zu sehen. Grau in grau, nichts neues also, zumindest was das Wetter angeht. Es hat hier nur vereinzelt noch alte koloniale Gebäude, denn wegen Erdbeben und Vulkanausbrüche musste die Stadt mehrmals praktisch wieder neu aufgebaut werden. Während ich ein Hotel suche, findet gerade ein Umzug statt. Dieser erinnert mehr an Karnevalstreiben denn an besinnliche Weihnachten. Kostümierte Gruppen, begleitet von Pauken und Tropeten, prozessieren durch die Strassen. Auf einem Pickup sind riesige Lautsprecherboxen die entsprechend schallen. Die Musik gefällt mir durchaus aber die Lautstärke ist kaum auszuhalten. Auch bei geschlossenem Fenster im Hotel. Weihnachten wird hier, und in ganz Lateinamerika, anders gefeiert als in unseren Breitengraden. Hier kommen noch Bräuche aus der Inka- und Vor-Inkazeit der Hochlandindios hinzu. Das ganze ist farbenprächtig und lebensfreudig und dauert bis in die Nacht.

Kolumbien Teil 2

Von Cali bis Ipiales (26.11 bist 10.12.2011, 507km, total: 6695km)

Bis nach Santander de Quillachia, so gut 50km, ist es noch flach. Ich bin immer noch im sog. "Valle" dem weiten Tal des Rio Cauca. Ab hier führt die Panamericana 25 wieder ins Gebirge. Und wie! Die steilen Steigungen zwingen mich grösstenteils zum absteigen und schieben. Bei der Zahlstelle beim kleinen Dorf Tunja komme ich mit einer Angestellten eines Taxi- und Autobusgesellschaft ins Gespräch. Von morgens um 6 bis abends um 9 kontrolliert sie alle Vehikel des Unternehmens. So checkt sie unter anderem, ob die Fahrzeuge nicht überbesetzt sind und alle Passagiere bezahlt haben, aber auch ob der Chauffeur die vorgeschriebene Krawatte trägt und nicht mit den Einnahmen mogelt. Sie hat früher eine Zeit lang in Aequador gearbeitet und gute Dollars verdient, erzählt sie mir. Hier in Kolumbien ist das durchschnittliche Einkommen deutlich geringer.

Als nächstes erreiche ich die "weisse Stadt"  Popayan. Nicht wie in den anderen Städten, die ich bisher  in Kolumbien gesehen habe, hat diese Stadt ein gut erhaltenes historisches Zentrum. Alle Gebäude sind, wie es der Uebername sagt, weiss angestrichen und haben rote Ziegeldächer. 2 Ruhetage ist es allemal wert hier zu weilen und sich von diesen steilen Strassen zu erholen.

Bei der langen Abfahrt nach der Kleinstadt El Bordo werde ich Zeuge eines schrecklichen Bildes. Ein Radfahrer liegt tot unter den Vorderrädern eines Lastwagens. Die Polizei hat den Unfallort mehr recht als schlecht abgesichert. Ein Krankenauto ist nicht zur Stelle.

Die Strasse trägt wohl den grossen Namen PANAMERICANA, ist jedoch weite Strecken schmal, holprig und in schlechtem Zustand. Vor allem hier im Süden des Landes. Dazu kommen die unübersichtlichen Kurven und wie schon oft erwähnt die extreme Steilheit. Alte, überladene Lastwagen keuchen die Berge hoch und verleiten schnellere und stärkere Fahrzeuge zu gewagten Ueberholmanövern. Es geht schlimm zu und her und die Folgen sind nicht selten tödlich. Dieses Jahr kommen als Folge der extremen Regenfälle noch Erdrutsche und Strasseneinbrüche dazu. Der Staat hat zu wenig Geld um die Strassen in ordentlichem Zustand zu halten.Und wenn Geld fliesst, landet vieles in den Taschen von korrupten Beamten oder weiss ich wo. Nur nicht wofür es bestimmt ist. Ich komme ins grübeln.

Pasto, die Hauptstadt der südlichsten Provinz Nariño, ist voll im Weihnachtsrummel, als ich ins Zentrum fahre. Es hat auf der Plaza und den angrenzenden Strassen festliche Beleuchtung. Vielleicht etwas unordentlicher als bei uns in der Schweiz. Nach einigem Fragen und und zwei drei "Fehlversuchen" finde ich ein sehr sauberes und schön eingerichtetes Hotel. Die Frau an der Rezeption ist sehr freundlich und heitert mich auf. Ich beschwere mich aufgrund meiner angeknackten Nerven wohl etwas zu sehr über die mangelhafte Wifi-Verbindung. Die Leute haben aber grosses Verständnis und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen von diesem verrückten "gringo" mit seiner "cycla", wie die Kolumbianer das Velo nennen. Die Stadt liegt in einem Hochtal auf 2500m.ü.M. und es ist kühl und regnerisch. Typisches "Pastowetter". Es hat wenig Sehenswürdigkeiten aber ich gebe zu, dass ich die meiste Zeit nur im Hotel hocke oder ins Restaurant gehe, um zu essen und den feinen Kaffee sowie die köstlichen Süssgebäcke zu geniessen.

Nach dem letzten Frühstück in Pasto geht es gleich wieder 15km steil hoch. Es war nicht anders zu erwarten. Auf der Passhöhe hat es eine tolle Bäckerei mit Restaurant. Ich frage gar nicht nach der Topografie des weiteren Weges. Ich rechne mit dem "Schlimmsten" und so kommt es dann auch. Es folgt eine steile Abfahrt von etwa 35 Kilometern fast runter in die Tropen, dann eine Brücke über einen Fluss und dann ist gleich wieder Schieben angesagt. Es geht ein enges spektakuläres Tal hoch.  Bei einer Tankstelle esse ich etwas und fahre resp. laufe weiter. Dann fängt es an zu regnen. Eine Strassenseite ist gesperrt wegen eines Erdrutsches. Während die Lastwagen und Autos der Gegenseite passieren, erzählt mir der junge Verkehrslotse, dass gestern unweit von hier eine junge Frau verschüttet worden sei. Ich solle doch zurückfahren zur Tankstelle und dort übernachten. Es sei  gefährlich hier bei Regen hochzufahren, denn jeden Augenblick können wieder lose Fels- und Erdmassen auf die Strasse abrutschen. Ich bin derart fixiert, noch heute beim nächsten Dorf oder sogar in Ipiales, an der Grenze zu Aequador, anzukommen, dass ich die Warnung in den Wind schlage und weiterlaufe. " Die anderen fahren ja auch", sage ich mir und laufe weiter. Etwas weiter oben wird das Gelände offener und ich fühle mich wieder sicher. Im kleinen Dorf San Juan sind meine Kräfte ziemlich am Ende und ich übernachte im einzigen Hotel. Das Zimmer ist nicht sehr sauber und das Bad erst recht nicht. Es gibt keinen Grund sich darüber aufzuregen. Ich bin eh zu müde dafür. Die Dusche, wenn auch kalt, ist sowas von erfischend! Beim Abendessen im Restaurant des Hotels sitzen am Nebentisch ein paar Männer und mit dem Alkohol- steigt auch der Lärmpegel. Man kann nur hoffen, dass keiner von ihnen in ihrem Zustand noch ans ans Steuer geht und die Panamericana noch gefährlicher macht.

Es ist dann nur noch etwa 7 Kilometer richtig steil und bin dann relativ schnell in Ipiales. Der Ort ist doch grösser als ich dachte und ich habe eine stattliche Auswahl an Hotels. Alles ist besser als die Absteige von gestern! Schon bin ich wieder übermütig. Ich sollte ja dankbar sein, dass es in San Juan überhaupt eine Unterkunft gab. Ich bin hier in Ipiales wieder auf etwa 2700m.ü.M. und das Wetter ist ungastlich wie in Pasto. Bis auf die 2 Kirchen sehe ich keine historischen Gebäude. Die Fassaden der Häuser sind nur auf der Strassenseite ansehnlich. Richtung Innenhof sind die Häuser weder verputzt noch fertiggestellt. Halt gerade was für nötig erachtet wird. Die Stadt lebt vom Grenzverkehr und für Aequadorianer ist es wohl günstig mit den Dollars hier einzukaufen. Ich fühle mich sehr wohl hier, denn das Hotel ist vorzüglich und günstig wie die Konditoreien. Die Aussicht vom Dach des Hotels auf die geschäftige Plaza und auf die Hügel des Umlandes ist toll. Abends sehe ich runter auf die beleuchtet Kirche und die Innenstadt. Es geht mir wieder besser. Einziger Aerger ist, dass ich unbedingt das Velo, vor allem die Bremsen, warten müsste. Mach ich nicht gerne, ist jedoch überfällig nach diesen Abfahrten und dem nassen Wetter.

Kolumbien Teil 1

Von Cartagena bis Cali  (1.11. bis 26.11.2011, 1099km, total: 6198km)

Am Flughafenausgang von Cartagena gibt es eine gute Einrichtung für ahnungslose Touristen wie mich: Man kann sich an einem Schalter erkundigen, wieviel das Taxi an eine bestimmte Adresse kostet und kriegt einen Beleg. Was der Transport vom Velo kostet, konnte mir die Frau am Schalter allerdings nicht sagen. Ich bin kein guter Feilscher und so warte ich eine Weile und die Angebote gehen runter. Der Fahrer und ich müssen uns ungemütlich nach vorne ducken, denn die gelben Taxis sind sehr klein und der Karton mit dem Velo passt nur knapp in das Gefährt.

Das Hotel, dass ich mir ausgesucht habe, liegt im Quartier Getsemani in der wunderschönen historischen Altstadt. Einige Häuser im Viertel haben für schweizer Vehältnisse vielleicht einen Anstrich oder eine kleine Renovierung nötig aber es wirkt irgendwie echt, so wie es ist. An derselben Strasse wie das "El Baluarte" wo ich logiere, hat es noch ein paar weitere kleine Hotels und 2-3 Herbergen mit Mehrbettzimmern für partyfreudige junge Rucksacktouristen. Das Klima ist das ganze Jahr tropisch und bis ende November ist noch Regenzeit.  Aus den Bars und Restaurants schallt laut Salsa und Merenge hinaus in die Strasse.
Als ich am Samstag in den Ausgang will, fällt mir auf wie ruhig es ist. In der Kneipe um die Ecke, wo auch keine Leute sind,  frage ich einen Angestellten was denn los sei. Morgen Sonntag seien Wahlen und deshalb darf  kein Alkohol ausgeschenkt werden, erklärt er mir. Ich bin etwas verdutzt und "nehme es zur Kenntnis", wie man so schön sagt. 

Cartagena ist in den letzten Jahren eine vielbesuchte Stadt geworden. Reich an Geschichte und kolonialen Gebäuden, der Stadtmauer und natürlich dem Wahrzeichen der Stadt: "El Reloj", ein Turm mit Uhr mitten im Zentrum. Dazu soll es noch jede Menge wunderschöne Strände in der Umgebung haben. Die habe ich nicht besucht weil es definitiv zu heiss ist für mich. Ich darf ja bald die Gegend per Fahrrad anschauen, was eigentlich noch viel unsinniger ist...

Kolumbien ist Neuland für mich und so bin ich gespannt, was in diesem Land alles auf mich zukommt. Mit dem Verkehr ist es nicht besser als in anderen lateinamerikanischen Ländern. Eher noch schlimmer. Ich bin erleichtert, mich nach einigen Kilometern aus dem morgendlichen Stossverkehr von Cartagena herausgekämpft zu haben. In einem Restaurant bestelle ich mir einen "tinto" wie hier ein schwarzer Kaffee heisst und frage die Kellnerin nach Ortschaften, Restaurants usw. Eine detaillierte Landkarte des Landes war in Cartagena nicht aufzutreiben.

Es ist heiss und schwül und so bin ich bald schweissgebadet. Leicht aufwärts geht es auch noch. Die Landschaft ist grün. Grüner geht's nicht. Weiden, Wälder und Plantagen mit Palmen. Es gefällt mir sehr. Die Versorgung ist hier einfach, denn es hat alle paar Kilometer Restaurants mit Herbergen für Lastwagenfahrer und Reisende.

Vor der Kreuzung, wo man eine Strasse Richtung Süden nach Monteria nehmen könnte erklärt mir ein bewaffneter Beamter bei der Zahlstelle, sog. "peajaes", dass ich diese Route besser nicht nehmen soll. Die Strasse sei schlecht und schmal. Dazu macht er noch eine Faust und mit dem Zeigefinger eine Abzugsbewegung. Grund genug für mich, auf der Hauptachse Nr. 25 zu bleiben, welche via Medellin, Cali und Pasto nach Aequador führt. Ausflüge auf Nebenstrassen sind hier scheinbar nicht ratsam.

In Puerto Valdivia ist dann Schluss mit den Flachetappen. Gleich nach der Hängebrücke über den Rio Cauca, der fast ganz Kolumbien von Süden nach Norden durchquert, geht's ca. 20 Kilometer steil bergauf. Meist schiebend kämpfe ich mich vorwärts. Immerhin wird es mit der Höhe angenehm kühler. Bei einem paradiesischen Wasserfall mit Schwimmbecken treffe ich auf Heiber. Wir unterhalten uns und er lädt mich ein, doch bei ihm in Girardota, in der Nähe von von Medellin, vorbeizuschauen. Die Kellnerin vom Restaurant erzählt, dass vor einigen Wochen ein älterer kanadischer Radfahrer und eine Frau, ebenfalls aus Kanada, hier übernachtet hätten. Es handelt sich dabei um Michel und eine Kollegin, die zusammengespannt haben. Wie er mir schreibt ist er wieder allein, nachdem die Frau heimgekehrt sei, weil es ihr zu anstrengend war hier in den Anden. Er ist übrigens bereits in Peru. Wahnsinn, was der Mann für ein Tempo vorlegt! Er hat auch relativ wenig Zeit für die ganze Panamericana und muss noch diesen südlichen Sommer, d.h. bis etwa März, in Feuerland ankommen.

16 steile Kilometer weiter erreiche ich die Passhöhe, welche mit "Alto de ventana" angeschrieben ist. "Höhe mit Aussicht" oder ähnlich soll das wohl bedeuten. Die Aussicht wäre noch besser wenn es nicht so trüb wäre. Am Nachmittag erreiche ich Yarumal, eine Stadt sicherlich auf etwa 2500m.ü.M an einen Hang gebaut. Ich finde ein sauberes kleines Hotel mit Blick auf die umliegende grüne Gebirgslandschaft. Super Tag heute!

40km vor Medellin fahre ich die halsbrecherische Abfahrt hinunter in ein weites Tal. Die schweren Lastwagen bremsen sich ihren Weg die Serpentinen hinab und mir geht es auch nicht anders. Zwischendurch muss ich eine Pause einlegen weil mir die Hände schmerzen. In Girardota rufe ich Heiber an. Seine Mutter ist am Handy und wegen des Lärms verstehe ich kaum etwas. 2 Anrufe später treffen wir uns dann doch noch und ich nehme Unterkunt in ihrem Haus. Sie vermietet alle Zimmer im zweiten Stock und von den Mieten hat sie ein sicheres bescheidenes Alterseinkommen. Heiber und sein Vater haben eine kleine Finca (Bauernhof). Leider halten sie keine Pferde sondern Kampfhähne. Das ist nun wiederum gar nicht mein Ding. Das Geschäft sei einträglich, denn es wird hoch gewettet bei den Hahnenkämpfen, erklärt Heiber.  Die Finca können wir wegen des Regens leider nicht besuchen und so nimmt mich Heibers Vater auf eine Runde mit dem Motorrad durch die Umgebung. Ich muss zugeben, dass es mir dabei nicht immer 100%-g wohl ist auf dem Rücksitz. Im "parque", wie der Platz im Zentrum heisst, findet gerade das jährliche Gründungsfest statt. Die Musiker auf der Bühne spielen mehrheitlich lauten Salsa und die Menge auf dem Platz feiert und tanzt dazu.

Bis Medellin sind es nur noch etwa 30 km. An Feiertagen ist eine Seite der vierspurigen Strasse gesperrt und für Radfahrer freigegeben. Ich habe Glück, denn es ist Sonntag. Es fehlt mir nicht an neugierigen Begleitern und 2 nette Herren führen mich gleich zu einem Hotel unweit des Fussballstadions und in der Nähe des Zentrums. Die Stadt ist bekannt oder besser gesagt berüchtigt in Verbindung mit dem Medellinkartell und als Sitz der Drogenbarone. Wie weit dass heute noch so ist kann ich nicht beurteilen und ich frage auch nicht danach. Nachts sollte man auf alle Fälle nur mit dem Taxi unterwegs sein. Die Stadt ist sicherlich schön gelegen und hat ein angenehmes Klima, dank der Höhe und der Nähe zum Aequator. Es ist sehr sauber und hat viele Hochhäuser. Woher kommt der Wohlstand?

Etwa 30 km südlich von Medellin geht's wieder bös aufwärts Richtung Santa Barbara. Die Strasse führt ein kurzes Stück auf einer schmalen Krete wo es beidseitig steil und weit hinunter geht. ich fahre nun durch ein Gebiet wo hauptsächlich Kaffee angebaut wird. Auf grossen Schildern wird darauf hingwiesen. Der Abschnitt heisst auch "Ruta de café" oder ähnlich. Es ist sehr hügelig und daher anstrengend aber dafür umso schöner.

Die Regensaison sorgt dieses Jahr in Kolumbien für Ueberschwemmungen, Erdrutsche, und leider kommen auch Menschen ums Leben. Viele Flüsse sind über die Ufer getreten oder werden es in Kürze tun, sofern die Niederschläge nicht aufhören. Wie gesagt, es soll es noch bis ende November weiterregnen. In Irra, ein  Dorf am Rio Cauca, übernachte ich in einer Unterkunft am Fluss. Der Pegel erreicht bald die ersten Häuser am Ufer.

Auf einer Passhöhe vor der Stadt Pereira geniesse ich mit ein paar Sonntagsausflüglern die Aussicht auf die Stadt und das weite Tal des Rio Cauca. Ab Pereira habe ich ein paar leichte Tage bis zur drittgrössten Stadt von Kolumbien, nämlich Cali. Es ist flach oder geht gar leicht abwärts. Weiden, Zuckerrohr- und Maisfelder sehe ich meist auf dem Weg. Die grossen Bäume beidseitig der Strasse Nr. 25 bilden teilweise eine Art Tunnel und bringen angenehmen Schatten.

10 km vor Cali hat das Hinterrad wieder mal einen Platten. Neben dem kleinen Restaurant hat's gleich eine sog. "gomeria" wie diese kleinen Werkstätten entlang der Strassen heissen wo Pneus repariert werden. Es hat da immer eine Druckpumpe welche man benutzen kann. In Cali werde ich von einem Stadtteil zum anderen geschickt bis ich endlich, nach über 2 Stunden Suche, ein gutes und doch preisgünstiges Hotel finde. Immerhin habe ich dadurch gleich die Stadt etwas besichtigen können. Auch die Bekanntheit dieser Stadt, ähnlich wie Medellin, stammt hauptsächlich vom Calikartell und den Drogenbaronen die hier ihren Sitz hatten oder noch haben. Die Präsenz von Polizei und Militär ist allgegenwärtig. Was die Kundgebung bei meiner "Stadtrundfahrt" bedeuten soll, als eine Karawane von Motorrädern vorbeizieht, kann ich nicht genau ausmachen. Einige rufen "libertad!". Vielleicht hängt es mit der Erschiessung des Führers der Guerillaarmee Farc, durch eine Militärspezialeinheit vor ein paar Wochen, zusammen. Ehrlich gesagt, traue ich mich gar nicht, hier gross nachzufragen. Man weiss ja nie welchem "Verein" der oder die gefragte Person zugehört. Auch hier nimmt man abends besser ein Taxi wenn man noch unterwegs ist, lässt man mich wissen.

Ich verbringe hier 2 faule Tage und schreibe an diesem Bericht. Morgen möchte ich dann weiterfahren. Wie es aussieht geht es Richtung Popayan wieder ins Gebirge.

Die Strecke 1. Abschnitt


Die Strecke auf einer größeren Karte anzeigen

Guatemala

10.10 - 27.10.2011 (222km, Total: 5033km)

Am Ortseingang von La Mesilla ist ein Schlagbaum und das unscheinbare Zollgebäude. Eine eigentliche Kontrolle gibt es nicht denn es regnet und der Zollbeamte hat keine Lust, nass zu werden.
Sofort kommt ein Mann auf mich zu und will die mexikanischen Pesos wechseln die ich noch bei mir habe. Der Kurs, den er mir anbietet ist sehr schlecht und ich laufe weiter in der Hoffnung, etwas mehr guatemaltekische Quetzales zu bekommen. Die Banken wechseln keine Pesos und so muss ich mich auf der Strasse am Schwarzmarkt umschauen. Mach ich nicht gerne aber es bleibt mir nichts anderes übrig. Es klappt dann auch und ich bin froh, das Problem gelöst zu haben.

An der Hauptstrasse ist ein geschäftiges Treiben. Mexikaner kommen hierher um Einkäufe zu machen. Ein Marktstand reiht sich an den anderen. Am Ausgang des Dorfes mache ich einen Halt bei einem Laden und erkundige mich nach dem Weg und den Ortschaften. Die Karte die ich bei mir habe ist sehr ungenau und  google maps ist auch nicht besser. Dazu kommt noch, dass es in Guatemala kaum Ortstafeln gibt.

Da fährt ein Töffahrer daher und hält an. Es ist ein junger Argentinier der mit seiner einfachen Maschine mit etwa 100 ccm den ganzen amerikanischen Doppelkontinent abfährt. Er brauche nur zu tanken und Oel zu wechseln, verrät er stolz.  Wir plaudern eine Weile und dann tuckert er weiter. Er möchte heute noch bis zum Lago de Atitlan fahren. Das sei ein wunderschöner See, umgeben von 3 Vulkanen und ursprünglichen Dörfern.

Wegen des Regens fahre ich nur noch ein paar Kilometer weiter bis La  Democracia.  Dort nehme ich Quartier in einem Hotel und hoffe auf besseres Wetter.

Die Strasse nach Huehuetenango geht etwa 60km bergauf durch die Schlucht des Rio Selegua. Trotz der engen Schlucht wohnen hier Menschen die auf den paar Quadratmetern ebenen Bodens Kaffeesetzlinge züchten. Ab einer bestimmten Grösse werden diese dann weiterverkauft. Ich sehe auch kleine Maisfelder am extrem steilen Hang. Die Menschen grüssen freundlich und vor allem Kinder winken und lachen. Ich komme mir vor wie ein Teilnehmer an der Tour de Suisse. Bei einer Rast schwatze ich mit den Töchtern des Hauses und wir machen ein Erinnerungsfoto.

Es geht nicht steil bergauf und ich komme ohne zu schieben doch recht flott voran. Bei einem Restaurant, dass auf dem abschüssigen Fels gebaut ist, mache ich Pause und gönne mir eine Suppe. Vom Fleisch ist nichts zu sehen und es hat nur Knochen und Knorpel drin.

Vor der Abzweigung in Huehuetenango komme ich mit einem Taxichauffeur ins Gespräch. Er sei mal Radrennfahrer gewesen und mein Brooks Ledersattel sei dann gar nicht gut für meine Prostata. Ich lenke dann das Gespräch weg von meiner Prostata denn es interessieren mich im Moment andere Dinge. Er erklärt mir den Weg in die Stadt und welchen Weg ich weiter nehmen soll Richtung Osten. Begeistert redet er vom mehrtägigen Radrennen in Guatemala das bald beginnen soll. (Die Tour wurde danach abgesagt)  Leider habe er es nie geschafft daran teilzunehmen. Er habe vom intensiven Training und den Rennen leider Probleme mit dem Herz bekommen und jetzt könne er gar nicht mehr radfahren.  Nach dem langen Gespräch mache ich mich dann auf den Weg in die Stadt und finde im Zentrum ein schönes Hotel und mache einen Ruhetag.

Das Wetter bleibt sehr bewölkt und kühl. Ich bin jetzt über 2000m ü.M. Ein Mann, der von Mexico geschmuggeltes Benzin verkauft, erklärt mir, dass die Strasse nach Quiché sehr hügelig sei. Ich mache mir keine Sorgen deswegen, denn ich war ja die ganze letzte Zeit in den Bergen. Es kann ja nicht schwerer werden, denk ich mir. Was jedoch kommt ist eine Anreihung von sehr steilen Aufstiegen und Abfahrten. Den ganzen Tag bin ich praktisch nur am aufwärtsschieben, denn die Abfahrten sind nur kurz und es geht jeweils gleich wieder steil rauf. In den letzten Tagen hat es heftig geregnet und Geröll von Erdrutschen liegt auf der Strasse. Eine Spur ist jedoch immer passierbar und ich mache mir keine besonderen Gedanken dabei denn es ist Regenzeit. Ich raste bei einer Tankstelle und während ich den Kaffee schlürfe beginnt es wieder heftiger zu regnen und ich mache mir Gedanken wie es heute weitergehen soll.

Ein schöner weisser Pickup hält vor dem Restaurant der Tankstelle an und ein Mann im Cowboy-Look steigt aus. Er spricht mich gleich an und fragt woher ich komme usw. Er heisst Fabio und hat eine kleine Ranch einige Kilometer von hier. Gerne nehme ich seine Einladung an und schon laden wir das Velo auf den Pickup und fahren los. Heute habe ich wirklich Glück im Pech!
Auf dem "rancho" wie es hier heisst, leben noch seine Schwester und die Mutter. Fabios geschiedene Frau wohnt mit den Kindern in Huehuetenango. 2 Pferde habe er gehabt aber er musste sie verkaufen. Die schönen Western-Sättel sind fein säuberlich aufbewahrt im Schlafzimmer.
Die Leute leben sehr einfach aber es hat Strom. Die Küche hat eine Kochstelle aus Beton und wird natürlich mit Holz betrieben. Die sehr betagte Mutter weicht nur zum schlafen vom warmen Herd denn es ist ungewöhnlich kalt. Die Kühe werden von Hand gemolken und auch für alle anderen Arbeiten gibt es keine Maschinen hier. Immerhin muss er nicht heuen. Es ist das ganze Jahr über grün.

Am nächsten Morgen fährt mich Fabio bis nach Quiché, etwa 40 km weiter. Von dort sind es weitere 20 km, steil rauf und runter natürlich, bis nach Chichicastenango. Die kleine Stadt ist mir empfohlen worden, wegen der indigenen Bevölkerung und dem weitaus bekannten Markt. Im Hotel läuft das Radio und erst hier wird mir bewusst wie schlimm die Regenfälle waren und noch werden. 3 weitere Tage hält der Regen an, fordert Menschenleben,  und richtet immense Schäden an. Es trifft vor allem die Aermsten.

Ich fahre dann noch einen Tag  bis zum nächsten grösseren Ort Tecpan. Von dort nehme ich dann einen Bus und fahre etwa 100km bis Guatemala Stadt. Allmählich lassen die Niederschläge nach. Die mittelamerikanischen Länder sind schon arm genug und jetzt sind sie zusätzlich noch getroffen worden von dieser Katastrophe.

Ich beschliesse hier, mit dem Flugzeug nach Cartagena in Kolumbien zu reisen.

 Jetzt, wo ich darüber schreibe, weiss ich, dass dieser Entscheid  richtig war. 


 



 

Mexico: Barra de Navidad bis Guatemala

 19.8. bis 10.10. 2011, 2398km, total: 4812km

Von Barra de Navidad ist es nur ein Katzensprung bis zur nächsten grösseren Stadt Manzanillo. Ich beschliesse dort, meine Reise Richtung Inland fortzusetzen. Dies hat den Vorteil, dass es nicht mehr so heiss und feucht ist und zum zweiten habe ich auch genug vom Gerede dass es gefährlich sei überfallen zu werden auf der weiteren Strecke entlang der Küste. Die Provinzen Michuacan und Guerrero seien in dieser Hinsicht besonders schlimm. Es hat lange Strecken ohne Siedlungen und daher besteht die Möglichkeit ungesehen überfallen zu werden. So hat man uns das jedenfalls erzählt.

Wir fahren also noch gemeinsam etwas weiter bis Tecoman wo die Kreuzung ist Richtung Norden nach Colima.  Ab hier fahre ich nun wieder alleine denn Michel will weiter der Küste nach pedalen.

Ich fahre nun wieder auf der Autobahn auf dem Pannenstreifen was vielleicht etwas lärmig ist aber ungefährlicher als auf der engen Landstrasse. Über Colima, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, etwa 45 km weiter, vermag ich nicht viel zu schreiben da ich ausnahmsweise etwas ausserhalb des Zentrums logiere und praktisch nur dort übernachte. Ich gehe zum Coiffeur. Die Dame die mir die Haare schneidet schwenkt den Stuhl Richtung Fernseher, weg vom Spiegel, im Glauben dass ich mehr interessiert sei an der sulzigen Telenovela als dem Haarschnitt. Diese billigen TV-Geschichten sind hier sehr beliebt in Mexico bzw. ganz Lateinamerika. Manche dieser z.T. endlosen Serien schaffen es tatsächlich bis nach Europa was ich, ehrlich gesagt, nicht verstehen kann. Ist wohl auch Geschmackssache. Der Haarschnitt ist dann trotzdem zufriedenstellend.

Einen harten Tag später, es geht praktisch nur aufwärts, bin ich in Ciudad Guzman. Leider bekomme ich den Vulkan Colima nicht zu Gesicht denn es ist bewölkt. Auf der Autobahn Richtung Guadalajara ist es relativ ruhig und ich schaffe die etwa 140km fast an einem Tag. Hier lasse ich neue Felgen montieren denn die alten sind inzwischen ziemlich abgenutzt. Etwas ausserhalb des Zentrums nehme ich mir ein Hotel. Von der Stadt sehe ich nicht viel da ich viel zu erledigen habe und fahre dann weiter Richtung Nordwesten zum Pilgerort San Juan de los Lagos. Der Ort ist nicht auf meiner Karte eingetragen und so glaube ich anfangs dass ich mich wohl verfahren haben muss. Am Ortseingang empfangen mich junge Burschen und wollen sich etwas verdienen indem sie mir ein Hotel vermitteln. Ich habe Mühe mit diesen aufdringlichen Gesellen aber zum Schluss gerate ich dann doch in deren Fänge. Das Hotel ist dann ok und der Junge hilft mir die Taschen und das Velo ins Zimmer zu befördern. Nur ganz selten wird mir nicht erlaubt, das Velo ins Hotelzimmer zu nehmen. San Juan de los Lagos ist soetwas wie das Santiago de Compostela von Mexico.  Viele Pilgerer kommen aus ganz Mexico aber auch aus dem Ausland hierher und eine ganze Anzahl davon auf Schusters Rappen.

Das Klima ist nun, zwischen 1500 und 2500m.ü.M., sehr angenehm und ich fahre von einer Stadt zur nächsten auf der Autobahn. Es geht via León nach Irapuato, weiter nach Celaya und Queretaro.
Die Einfahrten in die Innenstädte sind meist ziemlich halsbrecherisch denn die Mexikaner fahren manchmal rücksichtslos aber ich habe mich damit abgefunden, soweit das halt möglich ist. Dafür ist es tagsüber auf dem Pannenstreifen der Autobahn ziemlich sicher.

Ich beschliesse, Mexico City östlich zu umfahren. Man erklärt mir, dass es eine neue Autobahn gibt, den Arco Norte, die direkt nach Puebla führt ohne durch den Moloch der Hauptstadt Mexicos zu fahren. Das sagt mir sehr zu, denn Puebla ist mein nächstes grösseres Ziel. Leider dauert meine Ausfahrt auf dem Arco Norte nicht lange denn bei einer Zahlstelle, für Velofahrer übrigens gratis, sagt mir ein mit einem grosskalibrigen Gewehr bewaffneter Beamter unmissverständlich dass ich raus muss. Die Autobahn ist neu und es würde zu schnell gefahren. Velofahren verboten! Tatsächlich sehe ich bei der nächsten Ausfahrt ein Auto der Policia Federal (Bundespolizei) die wohl darauf achtet, dass ich mich nicht doch vorbeimogle. Also muss ich nun einen weiteren Umweg machen um Mexico City auszuweichen.

Auf z.T. engen Landstrassen an kleinen Ortschaften vorbei, fahre ich weiter nach Pachuca. Die Stadt liegt auf etwa 2500m und hat ein wunderschönes historisches Zentrum. Die Wohnhäuser sind bis hoch hinaus in die umliegenden Hügel gebaut was ein wunderschönes Bild abgibt.  Bis vor einigen Jahren war Pachuca eine Minenstadt. Wovon die Stadt heute hauptsächlich lebt weiss ich nicht. Vielleicht Tourismus.

Mit Aussicht auf die Vulkane La Malinche und den Popocatepetl fahre ich weiter Richtung Süden via Tlaxcala nach Puebla. In diesem dicht besiedelten Gebiet rund um Mexico City hat es mindestens 3 Vulkane. Nicht auszudenken was hier passiert wenn einer dieser speienden Berge ausbricht. Auch Puebla hat ein Stadtzentrum aus der Kolonialzeit und hat dem kulturinteressierten Touristen einiges zu bieten. Ich sehe an einem kleinen Restaurant ein Schweizerkreuz und den Namen "Paradeplatz". Andrea aus dem Kanton Bern hat einen Mexikaner geheiratet und ist hier hängengeblieben. Ich verschwatze den ganzen Nachmittag in dem engen Café. Der Kaffee ist hier vorzüglich was leider nicht überall der Fall ist obwohl ja in Mexico viel Kaffee angebaut wird. Nur zu oft wird einem Néscafe angeboten...

Von Puebla aus wähle ich die Route nach Südosten wieder durch gebirgiges Gebiet. Nur nicht wieder in die feuchte Hitze runter! Leider zeigt sich der höchste mexikanische Vulkan, der Pico de Orizaba mit 5747m, nicht bei diesem Wetter. Es regnet zwar selten und wenn, dann meistens nachts, aber es ist doch oft trüb und kühl. Es geht nun bös rauf und runter. Nach einer rasanten Abfahrt erreiche ich die Stadt Tehuacan. Ich gerate in dieser Zeit in die Festlichkeiten des Tages der Unabhängigkeit Mitte September. Überall gibt es Umzüge und die Hauptplätze sind dekoriert, und überall hängt der Spruch "viva Mexico". Da ich abends müde bin von den Anstrengungen in den gebirgigen Strassen, kriege ich von den Feierlichkeiten nicht viel mit.

 Im kleinen Ort Tepelméme übernachte ich in einer bescheidenen Herberge. Die Infrastruktur in den kleinen Dörfern ist bescheiden aber ich bin froh eine Unterkunft gefunden zu haben. Das Dorf liegt wunderschön gelegen auf etwa 2500m.ü.M. und es wird Ackerbau und Viehzucht betrieben. Die Leute sind sehr freundlich und bescheiden und freuen sich, einen ausländischen Touristen zu beherbergen. Es übernachten wohl nur Velotouristen in dem Ort.

Auch die Einfahrt in die Stadt Oaxaca ist eigentlich nichts für Velofahrer. Dichter Verkehr und vor allem für die Busfahrer scheint ein Radler ein minderwertiger oder gar inexistenter Verkehrsteilnehmer zu sein. Zuvor hatte ich für etwa 25 km die Autobahn für mich alleine da an einer  Brücke geflickt wurde und für den Autoverkehr gesperrt war.  In der Innenstadt ist es dann etwas ruhiger und ich bin froh, mich bis zu einem gemütlichen Hotel durchgekämpft zu haben. Ich besuche die Ruinen des "Monte Alban" oberhalb der Stadt auf einem Hügel. Mexico wie man es von den Postkarten kennt aber sehr interessant.

Um Oaxaca wird der Agavenschnaps Mezcal produziert. Bei einer der vielen Produktionsstätten, wo noch alles in mühsamer Handarbeit erledigt wird, mache ich einen Halt.  Maultiere oder Ochsen bewegen den riesigen runden Stein der die weichgekochten Agaven zerquetscht. Ein archaisches Bild.
Ich schwatze mit den Arbeitern welche mit Gabeln die zerquetschte Agavenmasse in ein grosses Steingefäss befördern. Bei einer weiteren kleinen Fabrik hat es eine grosse Bar an der Strasse und ich beschliesse den Mezcal zu probieren. Zwei nicht mehr ganz nüchterne Herren sitzen wohl schon eine Weile an der Theke und offerieren mir ein Glas Mezcal. Schmeckt sehr gut aber bitte nur ein Glas. Ich will ja noch weiterfahren. Einer der beiden steigt dann ins Auto mit der Bemerkung er würde gleich um die Ecke wohnen...

Die Strasse führt nun wieder an die Pazifikküste aber nochmals über 2 rechte Berge. Wenn ich jemanden frage, ob es noch weiter aufwärts gehe, sagen mir die Leute oft dass es dann nur noch abwärts gehe. "Pura bajada!" Ich ärgere mich dann masslos wenn es dann nochmals über einen Hügel geht. Ich stosse dann schon mal einen Fluch aus, schweissgebadet wie ich bin, und bezichtige die Mexikaner der schamlosen Lügnerei. Kilometer- und andere Angaben sind mit Vorsicht zu geniessen denn die Leute können sich nur schwer in die Lage eines Velofahrers versetzen. Schliesslich ist man hier mit Auto oder Bus unterwegs und kommt ohne körperliche Anstrengung von einem Ort zum anderen.

In Tehuantapec bin ich dann schon fast wieder auf Meereshöhe und nur noch etwa 20 km von der Küste entfernt. Wieder bin ich im feuchtheissen tropischen Klima angelangt und suche mir wieder vorzugsweise Hotels mit Klimaanlage.

Am nächsten Tag sehe ich von weitem jemanden an der Strassenseite. Erst beim näherfahren erkenne ich, dass es sich um einen Velofahrer handelt. Alexander aus Russland hat mich gesehen und im Schatten gewartet. Sofort fallen mir seine von der Sonne verbrannten Oberschenkel auf. Mit Tüchern hat er sie bedeckt aber es sieht schlimm aus. Sonnencreme scheint er nicht zu verwenden was hier fatale Folgen hat, wenn man die Haut nicht bedeckt. Ich gebe ihm von meiner Creme aber es ist natürlich zu spät. Alexander ist ein Original. Er ist nach Mexico City geflogen und will bis Buenos Aires pedalen. An Weihnachten muss er wieder in Russland bei seiner Familie sein. Er redet ein paar Wörter englisch und keinerelei spanisch. Da sich mein russisch sehr in Grenzen hält ist die Verständigung sehr schwierig. Ich frage mich wie er sich durchmogelt aber irgendwie scheint es zu gehen. Seine Frau ist eine Mountainbike-Grösse in Russland und hat an den Weltmeisterschaften teilgenommen. Alexander ist auch ihr Trainer. Soviel habe ich mitbekommen. Er hat ein Karbonrennrad und nur Hinterradgepäck und fährt ziemlich leicht. Seinen Kommentar über mein Velo und das Gepäck verstehe ich zwar nicht, kann ich mir aber bestens ausmalen.

Zum Frühstück isst Alexander jeweils von seiner russischen Schokolade wovon er 4kg mitgenommen hat. Dazu einen Kaffee. That's it! Von Tortillas und Bohnen hält er nichts.

Leider fahren wir nur diesen und den nächsten Tag gemeinsam denn ich will wieder ins Hochland während Alexander weiter der Küste entlang schwitzen wird. Ist ja auch die kürzere Strecke und er muss sich ganz schön ran halten um an Weihnachten in Buenos Aires zu sein. Schade.

Ich bin nun in der südlichsten und letzten Provinz Mexicos, in Chiapas, bevor ich Guatemala erreiche. Kurz vor Arriaga ist die Abzweigung Richtung Norden wo wir zwei Velofahrer uns voneinander verabschieden. Es geht nun etwa 20 km bergauf. Die tolle Aussicht muss ich mir mit viel Schweiss verdienen. Es geht sogar durch 2 kleine Tunnel. Auf der Passhöhe hat es einen Kontrollposten der Armee. Die lassen mich wortlos passieren. Ich passe wohl nicht ins Profil verdächtiger Personen.
Da oben hat es einen kleinen Laden und die nette Frau bereitet mir sogar etwas zu essen zu. Was will man noch mehr! Nach über 100km und einer weiteren happigen Steigung erreiche ich Ocozocoautla. Was mir hier auffällt sind die Velotaxis. Die habe ich bis jetzt noch nie in Mexico gesehen.
Das erste Mal bin ich in einem Hotel hier nicht gerade willkommen. Wie immer frage ich, ob ich das Zimmer anschauen kann. Darauf kommt der barbäuchige Inhaber daher und fragt mich schroff warum ich denn das Zimmer anschauen will. Es sei sauber und habe warmes Wasser. Ich sage kurz meine Meinung und verlasse das Hotel. Ich finde nachher ein sauberes kleines Hotel mit umso netteren Leuten und der Besitzer erzählt mir wie er für die Fa. Wander aus Bern lange Zeit in Mexico City gearbeitet hat. Der Mann weiss auch sehr vieles interessantes über Mexico und speziell  über Chiapas zu erzählen.

Etwa 35km weiter, fast alles wieder abwärts, komme ich in den Stadtverkehr von  Tuxtla Gutierrez. Die grosse Stadt hat ausnahmseise kein historisches Zentrum und wurde erst vor gut 100 Jahren zur Hauptstadt des Staates Chiapas erklärt. Anderntags fahre ich dann etwa 20km weiter nach Chiapa de Corzo über den Rio Grijalva. Von der Brücke aus hat man einen super Ausblick auf den "Cañon de Sumidero", eine spektakuläre Schlucht welche eine der touristischen Hauptattraktionen Mexicos ist. Chiapa de Corzo ist dann wieder eine typisch mexikanische Stadt wie man sich dies als Nichtmexikaner so vorstellt mit einem riesigen Platz im Zentrum der Altstadt mit den Gebäuden aus der Kolonialzeit. Nicht nur wegen dem Cañon de Sumidero hat es viele Touristen hier. Auch die Stadt ist sehr schön und hat viele kulinarische Leckerbissen zu bieten. Es wächst ja auch alles in dieser mit Regen und Sonne verwöhnten Region.

Als nächstes steht dann die ca. 40km lange Steigung nach San Cristobal de las Casas an. Immer wieder muss ich absteigen und wieder schieben. Zu schwer ist mein "Lastesel" oder vielleicht auch zu schwach meine Beine um hier durchgehend hochzupedalen.  Nach 30 km hat's zu meiner Freude ein Restaurant wo ich essen und ausruhen kann. Bei diesem trüben Wetter ist von der Aussicht ins Tal nicht viel zu sehen. Es hat ein kleines Dorf hier und die Maisfelder sind in den steilen Hang gepflanzt.
Die jungen Mädchen die mir die Suppe mit Hühnerfleisch und Kartoffeln servieren sind in lange bunte Röcke gekleidet und sprechen kaum spanisch. In den Dörfern hier spricht man noch "zozil" wie die indigene Sprache hier heisst. Die Damen lassen sich nicht gerne fotofrafieren, was ich verstehen kann. Dafür machen sie eins von mir, was durchaus ok ist.

Knapp 2 Stunden später erreiche ich das historische Zentrum der Touristenhochburg von Chiapas .Ich bin sehr überrascht, denn ich wusste nicht, dass San Cristobal eine derartige Topadresse für Reisende ist. Die Stadt scheint so etwas wie Luzern oder Interlaken bei uns in der Schweiz zu sein. Hotels, Restaurants,  Läden mit Kunsthandwerk und Souveniers bilden das Zentrum.  Die alten Häuser sind in tip-topem Zustand und es ist auffallend sauber. Zu meinem Glück ist nicht Hauptreisezeit und ich finde ein super Hotel zu einem beschämend tiefen Preis. Was mich besonders freut, ist die angenehme Kühle hier auf etwa 2100 M.ü.M. Ich gönne mir hier 2 Ruhetage bevor es (leider) wieder in tiefere Lagen geht.

Es folgt also die lockere Fahrt hinunter auf ca. 1600m ü. M. nach Comitan. Diesmal ist das Wetter sonniger und ich habe etwas von der tropischen Gebirgslandschaft. Der Verkehr ist noch erträglich aber gefahren wird auch hier offensiv und eine doppelte Sicherheitslinie hindert kaum jemanden am überholen in dieser kurvenreichen Bergstrasse.

Die Stadt Comitan ist also der letzte grössere Ort in Mexico. Hier mache wieder einen faulen Tag, denn es regnet und obendrauf ist es noch Wochenende. Hier ist es bedeutend ruhiger als in San Cristobal aber nicht weniger schön.

Die Strecke weiter nach Cuauhtémoc ist ebenfalls meist in den Bergen und es geht weiter abwärts. Das Klima wird aus der Sicht des Velofahrers wieder unangenehm heiss. Der kleine Ort ist in steile, dicht bewaldete Hügel eingekeilt. Die Menschen sind arm. Man sieht es den Häusern an. Das Hotel indem ich logiere ist jedoch neu aber der 1. Stock ist im Rohbau und es wird noch lange dauern bis alle Arbeiten fertig sind. Zuerst muss mit dem fertigen Parterre etwas verdient werden. Bleibt zu hoffen dass die Geschäfte gut laufen sonst bleibt auch dieses Haus nur halb fertig wie so viele Andere.

Am nächsten Morgen gibt es ein kleines Missverständnis am mexikanischen Zoll, denn ich habe die Quittung der Touristengebühr, die ich bereits in Tijuana bezahlt habe, nicht mehr bei mir. Das ganze klärt sich zu meiner Erleichterung  dann auf, ohne dass ich noch ein zweites Mal bezahlen muss. Im Zeug verhühnern bin ich scheinbar gut...

Danach geht es noch ein paar Kilometer aufwärts und ich erreiche die Grenze nach Guatemala.

 
  

 

Mexico: Von Mazatlan bis Barra de Navidad (11.8.-19.8.2011, 608km, Total: 2358km)

In La Paz warte ich also ich ein paar Tage bis ich einen Platz erwische auf der Fähre nach Mazatlan, an der mexikanischen Westküste des Festlandes. Frühzeitig fahre ich zum etwa 15 km entfernten Hafen nach Pichilingue und esse etwas an einem Taco-Stand. Da fährt ein älterer Herr daher auf einem Velo und erkundigt sich nach dem Schiff nach Mazatlan. Wir kommen schnell ins Gespräch. Der Mann heisst Michel Beaudoin und stammt aus Quebec, Kanada. Auf der Schiffsreise beschliessen wir, die Veloreise zusammen fortzusetzen.

Nach einer Nacht in einem Hotel in Mazatlan machen wir uns, noch in der Dunkelheit, auf den Weg Richtung Süden. Wir nehmen die Autobahn. Diese hat einen breiten Pannenstreifen und ist um einiges sicherer und bequemer zu fahren als die enge Landstrasse. Michel erzählt, dass er seit 15 Jahren davon träumt, die Panamericana von Alaska nach Feuerland mit dem Velo zu befahren. Nun endlich, beinahe pensioniert, hat er  er sich die 10 Monate  Auszeit genommen. Bis vor 2 Jahren hat er täglich 2 Päcklein Zigaretten geraucht und beide Hüften musste er sich operieren lassen. Das aufsteigen auf's Velo bereitet ihm Mühe, da das Hüftgelenk in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. Als ich das zum ersten Mal sehe, frage ich mich, wie er es bis hierher geschafft hat. Was ihn auszeichnet ist der eiserne Wille, Leidenschaft,  und eine gute Portion Humor.

Ich ärgere mich noch ein paar Tage weil ich das Necessaire auf dem Schiff liegengelassen habe. Ich mache einige Telefonate und e-mails an das Schiffsunternehmen aber  niemand dort scheint sich für mein Anliegen zu interessieren.

Die Landschaft präsentiert sich nun grün und fruchtbar. Es hat Plantagen mit tropischen Früchten und viel Urwald auf den Hügeln.  Total anders als die Wüste der Baja California. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch und treibt uns den Schweiss aus den Poren. Genausowichtig wie das Trinken ist die Aufnahme von Elektrolyt. Michel hat sich Pulver besorgt und ich stehe mehr auf das Fertiggetränk das es überall zu kaufen gibt

Am ersten gemeinsamen Tag  fahren wir etwa 100 km bis zur Kleinstadt Esquinapa. Den nächsten Tag werde ich nicht so schnell vergessen. Wir bleiben auf der sehr bequem zu befahrenden Autobahn Nr. 15 und machen eine Rast in einem kleinen Dorf. Es gibt keine eigentliche Ausfahrt hier. Nur ein schmaler Weg führt in den kleinen Ort. Wir pedalen dann viele Stunden weiter auf der Autobahn ohne jegliche Möglichkeit um  Getränke oder Wasser zu besorgen. Erst nach 135 km Hitzeschlacht und buchstäblich mit dem letzen Tropfen Wasser erreichen wir abgekämpft den Ort Ruiz.  Am Ortseingang ist ein kleiner Polizeikontrollposten und ich frage den jungen Mann, ob er kühles Wasser hat. Der schwerbewaffnete Polizist ist freundlich und wir dürfen uns bedienen. Wir finden ein tolles Hotel am Ortsende und dürfen auch unsere Bestellungen für Getränke und Esswaren aufgeben welche der Sohn des Hauses dann für uns besorgt. Wir sind sehr froh und dankbar dafür. Die Frau hat wohl gesehen, dass wir nicht mehr so frisch sind und uns diesen Service angeboten.

Die Frau beschreibt uns zudem noch eine Abkürzung an die Küste ohne die Stadt Tepic durchfahren zu müssen. Wir sparen einen Tag und die Strecke ist zudem schöner durch die kleinen Dörfer. In einem der Orte, es ist Punkt 11 Uhr, findet gerade ein Umzug mit Reitern, einem grossen Stier und einem Wagen statt. Auf dem Wagen steht eine in festliches Kostüm gekleidete, schöne junge Dame.Wir halten an und bestaunen den Umzug. Das sei der 11-Uhr-Umzug, gibt man uns nachher kurz und bündig zur Antwort als wir nach dem Anlass dieses Treibens fragen. Jedes Jahr am 13. August findet dieser statt. Also nicht täglich um 11 Uhr... Es wird viel gefeiert in Mexico aber soviel nun wieder auch nicht.

Kurz vor der Stadt San Blas darf ich noch auf dem Pferd eines Vaqueros (Cowboy) reiten. Der Mann ist gerade mit seinem Sohn bei den Rindern an der Strasse und wir sind mit ihnen ins Gespräch gekommen. Am Abend, bei strömendem Regen, wir sind gerade beim Nachtessen in einem Restaurant, findet auch hier wieder eine Prozession statt. Es scheint etwas auf sich zu haben mit dem 13. August hier in Mexico.

2 Tage später sind wir dann schon in der Touristenhochburg Puerto Vallarta. Etwas ausserhalb des Zentrums finden wir Unterkunft in einem Hotel mit Swimmingpool. Da wir einige Besorgungen zu machen haben bleiben wir einen Tag in der Stadt. Es läuft nicht so viel, denn im August ist wohl vielen Nordamerikanern zu heiss für einen Besuch hier.

Wie üblich machen wir uns von Puerto Vallarta aus schon kurz vor Sonnenaufgang auf die Velos. Es geht nun weiter auf der Ruta 200 mehr oder weniger alles der Pazifikküste entlang. Wir schaffen es nur bis nach bis Las Juntas y los Veranos, ganze 27 km! Fast alles steil bergauf und man sagt uns, dass es so weitergehen würde. Also bleiben wir im Dorf denn es macht wenig Sinn sich unnötig der Nachmittagshitze weiter auszusetzen. Das Hotel ist sehr sauber und die Menschen sind, wie überall bis jetzt in Mexico, sehr freundlich. Man spricht sich an mit "Amigo" oder "Amiga" an und fast scheint es als ob Mexico ein Land von Freunden ist. Es geht weiter bergauf bis nach El Tuito, 20 km weiter. Hier machen wir, wie fast immer so nach den ersten 15-20 km, eine Frühstücksrast. Nach 108 km finden wir in Morelos ein sehr grosszügiges und günstiges Hotel mit ebenso grosszügigen Menschen. Dass die Internetverbindung nicht klappt, wie bei manchen Hotels in den kleinen Orten, stört nicht. Ich verbringe eh zuviel Zeit an dem Apparat seit ich einen mitschleppe. Ich habe auf dem Weg hinauf zum Hotel den Kilometerzähler verloren und laufe später mit Michel die ganze Strecke wieder ab, finden jedoch nichts. Ich habe die Suche schon fast aufgegeben, da kommen 2 Jungen daher mit dem Ding. Sie haben uns 2 "Gringos" gesehen wie wir etwas auf der Strasse suchen und den kleinen Computer gefunden. Das Deckglas ist etwas beschädigt aber die Anzeige funktioniert noch tiptop. Wir drücken dem Jungen einen Batzen in die Hand und bedanken uns. Etwas enttäuscht schaut uns der Junge an. Er hat scheinbar einen höheren Betrag erwartet und so legen wir noch etwas nach auf den Batzen. Es freut mich unheimlich, dass wir das Ding wieder in den Händen habe. Ich möchte noch einen Ausritt machen an den etwas entfernten Strand aber es dunkelt bald und der Amigo der mir das Pferd zur Verfügung stellen wollte, findet dieses nicht mehr. Irgendwie verschwinden hier in Morelos Pferde und Radcomputer und erscheinen plötzlich wieder... Dies mein (wohl total falscher) Eindruck von Morelos, Jalisco, Mexico.

Der nächste Tag nach Barra de Navidad ist sehr hart denn von den knapp 100km geht es sicherlich 50 km bergauf und auf dem "Zahnfleisch" erreichen wir nach einer etwa 4km langen steilen Abfahrt die Stadt. Ein schöner Ort, der vom Tourismus lebt aber, wie gesagt, die Amerikaner und Kanadier kommen dann im Herbst oder Winter. Es ist angenehm ruhig und wir 2 Velofahrer machen uns einen Ruhetag hier im klimatisierten Hotel. Wir haben Erholung nötig.

Über mich

Sucre, Chuquisaca, Bolivia