Mexico: Baja California (21.6.-27.7.2011) 1653 km

In San Diego verbringe ich ein paar Tage in der Jugendherberge Point Loma und bereite mich auf die Radreise vor. Nebst  Rucksacktouristen aller Herren Länder sind auch ein englischer Motorradfahrer und ein junger Australier in der Unterkunft. Der junge Mann erinnert mich an "Crocodile Dundee ".  Mit allen Gästen freundet er sich an, schüttelt jedem die Hand, und erzählt von seiner Heimat  Cairns, im Norden Australiens. Er hat sich einen alten Cadillac gekauft und will ebenfalls nach Bolivien fahren.
Der englische Motorradfahrer wird bis Ushuaia fahren, im äuessersten Süden Argentiniens. Wir machen hier in San Diego die letzten Einkäufe und Erledigungen bevor es nach Mexico geht.

Eines morgens  breche ich dann früh auf und mache mich ziemlich aufgeregt auf den Weg. Bis zur Grenze sind es vielleicht 35 km. Der Grenzübertritt  ist problemlos und der mexikanische Zollbeamte gibt mir ohne danach zu fragen, ein Visum fuer 6 Monate.

Es ist schon eine andere Welt hier in Mexico. Vom geordneten Leben in den USA in das hektisch-chaotische Treiben von Tijuana. Ich frage einen Taxifahrer, ob ich die Autobahn benutzen darf als Radfahrer. Er bejaht und ohne zu zögern nehme ich die Einfahrt. Der Pannenstreifen ist schmal und der Verkehr dicht. Mir ist's egal, denn ich will nur raus aus diesem "Kuchen".Ein Polizeiwagen fährt vorbei und stört sich nicht an mir. Freie Fahrt also! Nach einer Weile hält mich ein privater Sicherheitsbeamter an und erklärt mir, dass ich nicht weiter auf der Autobahn fahren darf. Angeblich wegen einer Baustelle wo es zu gefährlich sei für Velofahrer. Nach langem Hin und Her fahre ich dann einige Kilometer zurück und auf Umwegen erreiche ich mein erstes Tagesziel Rosarito an der Nordwestküste der Baja California. Ich nehme mir ein günstiges Motel und erhole mich vom Stress des Tages. Bis nach Ensenada, etwa 80 km südlich, reicht das Gebiet, wo sich Amerikaner visumfrei 3 Tage aufhalten dürfen. Ensenada ist deshalb ein beliebtes Urlaubsziel und schon fast eine US-Enklave. Souveniergeschäfte, Hotels und Kneipen reihen sich aneinander und werben um amerikanische Touristen. Es fehlt auch nicht an Supermärkten und Fast-Food-Ketten.

2-3 Tage bleibe ich in Ensenada. Das Motel ist günstig, geräumig und sauber. Kulinarisch schätze ich hier vor allem die feinen Fischgerichte.

Weiter geht es auf der "Ruta 1" der geteerten Landstrasse durch die Baja California. Etwas südlich von Ensenada schlängelt sich die Strasse in östliche Richtung in die Hügel und ich bekomme einen ersten Eindruck von der sommerlichen Hitze ohne die kühle Brise des Pazifik. Es hält sich jedoch noch ein Morgendunst etwa bis Mittag was das velofahren erleichtert. Hier im Norden der Baja werden Früchte, Gemüse und Wein angebaut. Ich gewöhne mir an, früh morgens loszufahren und bis um die Mittagszeit zu fahren und dann in einem Motel zu übernachten. Zum zelten ist es schlicht zu heiss. Vor allem wenn ich noch ein Mittagsschläfchen halten will.

Bis nach El Rosario führt die Strasse mehr oder weniger entlang der Westküste. Die Steigung Richtung Inland, kurz nach El Rosario hat,s dann in sich: Etwa 35 km geht's aufwärts. Zwischendurch wieder runter und dann wieder hoch. Schieben ist angesagt. Innert kurzer Zeit bin ich schweissgebadet. Auf dem höchsten Punkt schwatze ich mit Strassenarbeitern, denen es nicht viel besser geht als mir. Statt velozufahren schaufeln sie losen Asphalt von einem Lastwagen. Ist auch eine Plackerei. Am Mittag, nach etwa 40 km, erreiche ich fix und fertig das Restaurant "El Sacrificio" welches mir wie ein Wunder erscheint. Hier kann ich mich im Schatten ausruhen, essen und vor allem trinken. Es gibt eine köstliche Fischsuppe. An diesem Tag mag ich nicht weiterfahren und zelte dort. Gleich neben dem Generator, der bis nachts um elf rattert...  Hättest halt dein Zelt an einem gescheiteren Ort aufstellen sollen, Flück!

Nach einem guten Frühstück fahre ich weiter südwärts auf der Ruta 1 durch die Wüstenlandschaft der Baja California. Ich komme ins "Valle de los Cirios". Eine Landschaft mit riesigen Kakteen und weissen Sandsteinen. Eine Traumkulisse. Zum Glück geht's nun mehrheitlich abwärts. Der Ort Catavina liegt mitten in dieser naturgeschützten Landschaft.  Wohl deshalb gibt es hier keinen Strom und das riesige Tankstellengebäude ist stillgelegt. Fast ein Geisterort. Abgekämpft raste ich in einem Restaurant und schwatze mit den Leuten. Jorge Juarez, ein nicht mehr junger Rastamann, offeriert mir auf seinem kleinen Grundstück, Lot genannt, einen Platz zum zelten an. Zugegebenermassen ist es mir nicht ganz wohl dabei aber ich nehme die Einladung trotzdem an. Der Platz ist eigentlich wunderschön aber ich verstehe nicht wie ein Mann, welterfahren wie sich Jorge gibt, den Müll einfach auf einen Haufen schmeisst ausserhalb von seinem Wohnwagen. Auch drinnen in seiner "Wohnung" sieht es nicht besser aus. Es  gibt es im Ort einen Brunnen wo ich mich waschen und erfrischen kann. Da das Gebiet im Naturpark liegt, darf der Brunnen nicht weiter ausgebaut werden z. B. fuer einen Swimmingpool oder fuer landwirtschaftliche Nuzung usw.

Am nächsten Nachmittag habe ich Wetterglück. In einem Rasthaus sehe ich wie sich eine dunkle Wand nähert und nutze die Gelegenheit noch ein paar Klilometer zu fahren. Etwa eine halbe Stunde schüttet es wie aus Kübeln und ich schaffe noch mehr als 100 km an diesem Tag bis nach Punta Prieta. Ich möchte einen Abstecher machen an die Westküste zum Pazifik und beschliesse nach Santa Rosalilita zu fahren. Es ist nur ein Abstecher von etwa 25km und man hat mir gesagt, dass es dort schön sei. Der Ort ist eine Enttäuschung. Der Müll liegt ueberall herum und viele Gebäude stehen leer. Es gibt eine Fischfabrik hier. Wohl darum ist die Strasse hierher geteert und nicht wegen des "schönen" Ortes.

Die Stadt Guerrero Negro liegt dann schon in der Provinz Baja California Sur (Südliche Baja California). Hier gibt es eine der grössten Meersalzfabriken der Welt. Dazu wimmelt es von Anbietern für Waltourismus. In den Wintermonaten ist das sicherlich ein grosses Geschäft aber jetzt im Juli sind die Wale nicht in den Gewässern der Westküste der Baja California. Ich ruhe mich einen Tag aus und nehme die Strecke durch das "Desierto de Vizcaino" unter die Räder. Es geht nun in südöstliche Richtung durch das Inland.

San Ignacio, eine Oase mit Palmen und typischem mexikanischem Dorfkern mit Hauptplatz und der von den Mönchen erbauten Kirche, gefällt mir sehr. Wie ich im bescheidenen Museum lese, sind die meisten Ureinwohner der Baja California an den eingeschleppten Krankheiten der Weissen gestorben.
Ein Schicksal wie es den meisten indigenen Voelkern Amerikas ergangen ist.

In Santa Rosalia, 80 km weiter bin ich dann schon an der Ostküste. Die kleine Stadt hat einen historischen Ortskern aber ich finde keine Unterkunft, mal abgesehen von einem billigen schmuddeligen Motel welches mir dann doch zu schäbig ist. Eine Kupfermine wurde erst seit kurzem in Betrieb genommen und deshalb sind alle Hotels ausgebucht und es hat keinen Platz mehr fuer einen Radfahrer. Ein paar Klilometer ausserhalb finde ich dann doch noch ein Hotel in zwar teurerer Preisklasse aber fuer eine Nacht gönne ich mir den Luxus.

Etwas weiter südlich liegt Mulege. Wie San Ignacio ist Mulege eine Oase mit Dattelpalmen und historischen Gabäuden aus der Kolonialzeit. In einer "Casa de Huespedes" (Herberge) finde ich eine Unterkunft wenn auch ohne Aircondiotioning wie in dem Luxusresort in Santa Rosalia. Die Menschen hier nehmen es sehr ruhig in dieser Jahreszeit. Erst abends gehen sie aus um ihre Erledigungen zu machen. Tagsüber sollte man körperlichen Anstrengungen aus dem Wege gehen, soweit es halt möglich ist.

Um die Mittagszeit des nächsten Tages raste ich im Rasthaus in Rosarito, etwa 80 km suedlich von Mulege. Der Ort besteht aus eben diesem Rasthus und dem Gebäude des Mechanikers welcher meist  Reifenpannen behebt. Das Essen ist vorzüglich, was leider nicht in allen Rasthäusern der Fall ist und ich verbringe die Nacht gleich hier, denn es sind doch noch etwa 60 km bis Loreto.

Loreto ist dann doch eine grössere Ortschaft mit viel Tourismus, im amerikanischen Stil gehalten mit breiten Strassen. Der Stadtkern ist jedoch im Kolonialstil erhalten.  Auch hier läuft in den heissen Sommermonaten nicht viel und die malerischen Strände ringsherum sind wenig besucht.

Ich fahre weiter auf der Ruta 1 entlang der Küste mit kleinen Stränden in Buchten. Vielleicht so um die 30-40 km. Bei einem Laden erfrische ich mich noch einmal bevor ich die etwa 7 km lange Steigung in die Sierra de la Gigante in Angriff nehme. Es ist bewölkt und noch zeitig am Morgen, so dass ich ohne  Probleme, meist schiebend, das Restaurant etwas nach der Passhöhe erreiche. Am Abend zelte ich in Ejido Nr. 1  welches ein Dorf ist, dass auf keiner Karte eingetragen ist. Hier wird mit künstlicher Bewässerung Ackerbau und Viehwirtschaft betrieben. Das Zelt darf ich auf der Bühne des Dorfplatzes aufstellen und habe dadurch Besuch der einheimischen Bevölkerung.

Immer wieder wird mir von einem Mann erzählt, der rennend unterwegs sein soll. Im Internet sehe ich, dass das tatsächlich der Fall ist. Es handelt sich um den Iren Tony Mangan der um die ganze Welt joggt. Inzwischen soll er begleitet werden nachdem er bei der vorher genannten Steigung zusammengebrochen sei in der Hitze. Unter http://www.theworldjog.com/ ist mehr zu erfahren. Was etwas beschämend ist, das muss ich zugeben,ist die Tatsache dass Tony Mangan rennend schneller unterwegs ist als ich mit dem Fahrrad. Er macht weniger Ruhetage und manchmal ueber 50 km täglich. Andererseits ist es jedoch wurschtegal.

Nun bin ich wieder auf der Westseite der kalifornischen Halbinsel, wenn auch nicht an der Küste.
In dieser Gegend wird Landwirtschaft betrieben und die Stadt Ciudad Constitutión ist deren Zentrum. Am nächsten Abend nehme ich mir vor, doch einmal wenigstens in der Wüste zu zelten. Leider versperrt ein Stacheldrahtzaun entlang beider Strassenseiten den Zugang und so frage ich bei einem der zahlreichen Restaurants an der Strasse, ob ich an einem schattigen Platz campen darf. Auch hier sind die Leute grosszügig und meistens darf ich an diesen Orten auch gleich die Dusche benutzen.   

Etwa 100 km weiter, nach einer rasanten Abfahrt wieder an die Ostküste hinunter, erreiche ich am frühen Nachmittag La Paz, die grösste und zugleich Hauptstadt der südlichen kalifornischen Halbinsel. Ich logiere zuerst im Hotel YNK im Zentrum. Eine ganz spezielle Bleibe, ist diese doch voll mit Antiquitäten und Plunder dekoriert. Ich erfahre, dass die Fähre zum Festland nach Mazatlan bis zum 9. August ausgebucht ist. Dann wechsle ich in ein Hotel etwas entfernt dem Zentrum weil es günstiger ist und mit Airconditioning ausgestattet ist. Das ist doch sehr angenehm, da ich doch recht lange hier bleibe. Erst am Abend lebt die Stadt auf und es wird geschäftig auf der Promenade entlang des Strandes. Meine Aktivitäten bestehen  hauptsächlich aus schreiben, schlafen und essen. Unternehmungen während des Tages reizen mich wenig da La Paz eine besonders heisse Ecke ist und allein das Erwähnen der Temperatur bringt mich ins schwitzen. Ich verspüre auch keine Lust noch ans Südkap der Baja zu fahren. Zu gemütlich ist es hier im gekühlten Hotel und der Infrastruktur um die Ecke. Die Wüste habe ich ausgekostet und die Strände reizen mich nicht. Ich hoffe, dass ich ab Mazatlan dann mit einer pazifischen Brise rechnen kann auf dem weiteren Weg.

Über mich

Sucre, Chuquisaca, Bolivia